09.04. — 28.05.2016


Disegno / Japanische Zeichenkunst der Gegenwart
Rikuo Ueda, Motoi Yamamoto, Aiko Tezuka, Toshifumi Hirose, Nobuyuki Osaki


Eröffnung Fr. 08. April 2016, ab 18 Uhr

Ausstellungsdauer 09.04 - 28.05.2016
Rikou Ueda · Motoi Yamamoto · Aiko Tezuka · Toshifumi Hirose · Nobuyuki Osaki.

Anders als die europäische Kunst der Zeichnung kennt die japanische kaum die Tradition der vorbereitenden Skizze. Hier sind vielmehr Kalligraphie und eine Linienführung ausschlaggebend, die ihrem Wesen nach mit der Alla-Prima-Malerei verwandt ist. Der erste und einmalig gesetzte Strich soll immer auch der letzte sein. Dennoch haben sich besonders in der japanischen Gegenwartskunst auch andere Modi des Zeichnens  durchgesetzt. Die Ausstellung „Disegno - Japanische Zeichenkunst der Gegenwart" geht diesen Entwicklungen mit fünf Positionen nach. Zeichnungen, Videos und Dokumentationen von Rikuo Ueda, Motoi Yamamoto, Aiko Tezuka, Nobuyuki Osaki und Toshifumi Hirose zeigen wie neben traditionellen Ansätzen auch neue Möglichkeiten des Zeichnens gesucht und gefunden werden.  Neben den Windzeichnungen von Rikuo Ueda, bei denen nicht die Hand des Künstlers, sondern die Naturkraft des Windes die Feder führt, sind Stiftzeichnungen von Motoi Yamamoto zu sehen, Entwürfe für seine großen Salzinstallationen. In ihren mikro- wie makrokosmischen Mustern schreiben sich persönliche Erinnerungen, ebenso wie individuelle oder allgemeine Lebenswege ein. Von Aiko Tezuka werden textile „Zeichnungen" auf transparentem Bildträger ausgestellt, sodass beide Seiten gleichzeitig einsehbar sind. Vorderseitig zeigen sie das einer Stickerei ähnliche Bild, rückseitig den scheinbar ungeordneten und abstrakt anmutenden Verlauf des Fadens. Ein optisch ähnliches, von der Konzeption aber anderes Bild ergibt sich in den Zeichnungen von Nobuyuki Osaki. Seine in ständiger Veränderung und Auflösung begriffenen Zeichnungen auf einem Monitor spielen auf den vermeintlichen realen, dennoch fiktiven Gehalt von Erinnerungen an. Schließlich zeigt sich mit Toshifumi Hirose ein Künstler, dessen Objekte, Bilder wie Zeichnungen dem Sezieren und anschließendem Neuorganisieren von Wahrnehmung verpflichtet sind. Mit ihnen entsteht, was eine Autorin einmal als Neukonfiguration unseres Wahrnehmungsprozess' bezeichnet hat.